Wenn wir als Kaffeeröster über Kaffeereisen in die Anbauländer sprechen, gibt es eine sehr grosse Auswahl an Zielen, aber eine Reise nach Äthiopien zum Ursprungsland des Kaffees ist immer etwas sehr besonderes. Äthiopien ist der Ursprung der Arabica Pflanze, und die Vielfalt des Landes ist bis heute unerreicht.

Ziel unserer Reise war nicht die Jagd nach spezialitäten Kaffees. Viel wichtiger war uns die unterschiedlichen Regionen, die Aufbereitungsmethoden, sowie die Menschen hinter den Kaffees kennen zu lernen. Für Stoll Kaffee ist Äthiopien schon immer ein sehr wichtiger Produzent, da wir seit der Gründung immer Äthiopische Kaffees in unserem Sortiment führen. Um unser Spezialitätensortiment nachhaltig weiter auszubauen, ist es uns sehr wichtig, ein besseres Verständnis für die einzelnen Regionen, die Strukturen, die Arbeitsweisen und die Menschen hinter den Kaffees aufzubauen.

Durch unseren Specialty Lieferanten der Nordic Approach bekamen wir die Chance nach Äthiopien zu reisen. Die Nordic Approach hat mit Seife Tuuloskorpi einen sehr erfahrenen Mann Vorort. Seife verbringt jeweils 8 Monate des Jahres in Äthiopien und besucht Plantagen, Aufbereitungsstationen und versucht so zusammen mit lokalen Partnern die besten Kaffees in Äthiopien zu finden. 

Die Reise begann in Addis Ababa der Hauptstadt von Äthiopien, von dort aus reisten wir in die Sidama Region. Der erste Stop fand bei der Sidama Union Cooperative Fero statt, einer zertifizierten FairTrade Bio Kooperative. Sehr spannend dabei ist, fast alle Farmen in Äthiopien betreiben rein biologischen Anbau, da die Farmen oft sehr klein sind, und keine finanziellen Mittel oder Zugang für Spritzmittel haben. Der durchschnittliche Verdienst eines Kaffeepflückers beträgt ca. 1,50 $ am Tag. Grosse Produzenten sind in Äthiopien eher selten.

Tag 2 war eine Monstertour im Auto, wir besuchten die sehr bekannte Yirgacheffe Region mit ein paar Stops bei unterschiedlichen Aufbereitungsstationen, wie zum Beispiel der Messele Haile. Um Mitternacht erreichten wir die Adola Aufbereitunsanlage in Guji Adola. Diese Anlage läuft während der Erntezeit 24 Stunden am Tag. Wir verbrachten die Nacht in Guji Adola und genossen die Gastfreundschaft des Eigentümers Israel. 

Am nächsten Tag reisten wir zurück nach Addis zum Nordic Approach Lab um die ersten Muster der neuen Ernte zu cuppen, welche sehr vielversprechende Ergebnisse lieferten.

 Der letzte Stopp unserer der Reise führte uns in die Region Kaffa. Wir flogen für 2 Tage nach Jiima und reisten per Auto um die Farmen Tega und Tula zu besuchen. Diese beiden Farmen waren bei weitem das Imposanteste was wir während unseres Tripps gesehen hatten. Die Farmen sind umgeben von wunderbaren Wäldern aus denen die Arabica Pflanze hervorging, also wirklich zurück zum Ursprung des Kaffees. Tega’s Kaffeebäume wurden mitten in den natürlich Wald gepflanzt. Durch den Wald erhalten die Kaffeebäume sehr viel Schatten, welche die Entwicklung der Bäume stark begünstigt und diese somit auch sehr alt werden. 

Momentan wird sehr viel Energie in die Steigerung der Qualität und Optimierung der Arbeitsprozesse gesteckt. 

Dies war auch schon die letzte Station unseres Besuchs in Äthiopien. Abschliessend konnten wir sehr viel Eindrücke und neues Wissen mitnehmen. Wir sind begeistert von den Entwicklungen in den Regionen. Wir sahen wie unterschiedlich die Faunen der jeweiligen Regionen sind, mit Sicherheit ein sehr grosser Einflussfaktor auf die Tassenprofile der jeweiligen Kaffees. Es steckt immer noch so viel Potenzial im Ursprungsland des Kaffees, welches Importeure wie die Nordic Approach versuchen weiter zu entwicklen und uns zugänglich zu machen. 

Neben Investitionen in Kaffee profitiert die Infrastruktur Äthiopiens momentan auch sehr stark von Chinesischen Investitionen in das Land. So sahen wir sehr viele Strassen, welche gerade gebaut oder geplant wurden. Weiters wird auch das Elektrizitätsnetz laufend weiter ausgebaut. 

Die grösste Neuigkeit für Kaffee in Äthiopien ist aber, dass die Regierung grosse Veränderungen in der Reglementierung für den Handel mit Kaffee angekündigt hat. Früher war dies alles staatlich organisiert. In Zukunft sollen auch kleine Produzenten die Möglichkeit haben, ihre Kaffees direkt an Röstereien oder Händler zu verkaufen. Dies wird den Zugang zu neuen Spezialitäten Kaffees stark vereinfachen, und die Kaffeebauern werden direkt davon profitieren. Diese Bemühungen der Regierung verlangsamen sich aber im Moment. Grund dafür sind die politischen Unsicherheiten in vielen Regionen Äthiopiens. 

Nach dieser Reise sind wir extrem gespannt über die neuen Kaffees aus Äthiopien, welche dieses Jahr auf den Markt kommen, und wir freuen uns schon, diese für euch zu rösten.